Im Speckenfeld 10A, 27639 Wurster Nordseeküste
65 Millionen Tonnen Bauschutt fallen in Deutschland jährlich an – und fast alles davon lässt sich wiederverwerten. Wie aus Betonbrocken und Ziegelbruch hochwertige Tragschichtmaterialien werden, welche Materialklassen die Ersatzbaustoffverordnung definiert und warum Recycling-Baustoffe Naturschotter überlegen sein können.
Zahlen & Fakten
Im Jahr 2022 fielen in Deutschland 65,2 Millionen Tonnen Bauschutt an. Davon wurden 45,1 Millionen Tonnen direkt zu Recycling-Baustoffen aufbereitet – das entspricht einer Recyclingquote von knapp 82 Prozent. Weitere 7,2 Millionen Tonnen wurden im Deponiebau oder bei Verfüllungen verwertet. Insgesamt ergibt das eine Verwertungsquote von 94,8 Prozent – ein Wert, der erstmals die 90-Prozent-Marke überschritten hat.
Diese recycelten Baustoffe deckten 2022 rund 13,3 Prozent des Gesamtbedarfs an Gesteinskörnungen in Deutschland. Zum Vergleich: Der Bausektor verbrauchte im selben Jahr 564 Millionen Tonnen Gesteinskörnungen. Jede Tonne Recycling-Baustoff, die Naturschotter ersetzt, spart rund 25 kg CO²-Äquivalente – weil weder Abbau noch Transport natürlicher Rohstoffe anfallen. Hochgerechnet auf die 75 Millionen Tonnen Recycling-Baustoffe, die 2022 produziert wurden, ergibt das eine Einsparung von fast zwei Millionen Tonnen CO².
Doch das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. Viel Recyclingmaterial wird heute im Straßenbau als Tragschicht eingesetzt – eine sinnvolle, aber niederwertige Verwertung. Die Zukunft gehört dem hochwertigen Recycling: Recycling-Beton, in dem aufbereiteter Bauschutt den natürlichen Zuschlag teilweise oder vollständig ersetzt. In diesem Artikel erklären wir, wie der Recycling-Kreislauf funktioniert – von der Anlieferung bis zum fertigen RC-Baustoff.
Kapitel 1
Nicht jeder Bauabfall eignet sich für das Recycling zu hochwertigen Ersatzbaustoffen. Die Qualität des Recyclingprodukts hängt direkt von der Reinheit des Eingangsmaterials ab. Je sortenreiner der Bauschutt angeliefert wird, desto besser wird der RC-Baustoff – und desto niedriger sind die Aufbereitungskosten.
Ideales Recyclingmaterial: hart, druckfest, gleichmäßige Körnung nach dem Brechen. Bewehrungsstahl wird per Magnetabscheider entfernt. Ergibt Betonrecycling 0–30 und 0–45 – hochwertiges Tragschichtmaterial mit exzellenter Verdichtungsfähigkeit.
Backsteine, Klinker, Dachziegel. Ergibt nach dem Brechen den charakteristisch rotbraunen Rotsteinbruch – ein bewährtes Material für Wege, Einfahrten und Stellflächen. Etwas leichter und poröser als Betonrecycling, dafür wasseraufnahmefähig und optisch ansprechend.
Gemisch aus Beton, Ziegel, Fliesen, Naturstein und Mörtel – solange keine Störstoffe (Holz, Kunststoff, Gips) enthalten sind. Ergibt ein heterogenes Korngemisch, das vor allem im Erdbau und als Füllmaterial Verwendung findet.
Gips setzt unter anaeroben Bedingungen giftigen Schwefelwasserstoff frei und verursacht Verschlackung in Brecheranlagen. Holz und Kunststoff verhindern die Klassifizierung als RC-Baustoff. Teerhaltige Anhaftungen machen das gesamte Recyclingprodukt zu gefährlichem Abfall. Und Asbest kontaminiert die gesamte Aufbereitungsanlage – im schlimmsten Fall muss der Betrieb stillgelegt und dekontaminiert werden. Deshalb gilt: Die Qualität des Recyclings beginnt auf der Baustelle, nicht in der Brecheranlage.
Kapitel 2
Vom angelieferten Betonbrocken bis zum genormten Tragschichtmaterial durchläuft Bauschutt einen definierten Aufbereitungsprozess. Jeder Schritt dient dazu, Störstoffe zu entfernen, die Korngröße zu definieren und die Materialqualität sicherzustellen.
Jede Lieferung wird bei der Anlieferung visuell geprüft. Der Anlagenverantwortliche beurteilt die Materialzusammensetzung und entscheidet, ob die Charge angenommen, nachsortiert oder abgewiesen wird. Dokumentation der Herkunft und Menge ist Pflicht (Annahmekontrolle nach § 3 EBV).
Große Störstoffe – Holzbalken, Metallträger, Kunststoffteile – werden per Bagger oder von Hand entfernt. Bei gemischten Chargen kommen Sortiergreifer zum Einsatz. Dieser Schritt ist entscheidend für die Endqualität: Je sauberer das Material vor dem Brechen ist, desto hochwertiger wird das Ergebnis.
Das Kernstück der Aufbereitung: Ein Backenbrecher zerkleinert die Brocken auf die gewünschte Korngröße. Wir setzen unseren GREMAC e2+ ein – einen mobilen Backenbrecher, der Korngemische von 0–30 mm bis 0–45 mm produziert. Die Brechweite lässt sich stufenlos einstellen, sodass wir je nach Bedarf feinere oder gröbere Korngemische herstellen.
Über Rüttelsiebe wird das gebrochene Material in definierte Korngrößen aufgetrennt: Feinanteile (0–5 mm), Mittelfraktion und Grobkorn. So entstehen die genormten Korngemische 0–30 und 0–45, die für Tragschichten im Straßen- und Wegebau zugelassen sind. Überkorn wird erneut dem Brecher zugeführt.
Ein Overbandmagnet oder Trommelmagnet über dem Förderband zieht Bewehrungsstahl, Nägel und andere Eisenmetalle heraus. Bei Bedarf kommt zusätzlich ein Wirbelstromabscheider zum Einsatz, der Nichteisenmetalle wie Aluminium und Kupfer abtrennt. Das separierte Metall wird als Schrott verkauft.
Das fertige Recyclingmaterial wird beprobt und im Labor auf Schadstoffgehalte und Eluatwerte analysiert (gemäß Anlage 1 EBV). Erst nach positiver Prüfung wird die Charge freigegeben und einer Materialklasse (RC-1, RC-2 oder RC-3) zugeordnet. Das Material wird sortenrein auf Halden gelagert – geschützt vor Verschmutzung und Vermischung.
Auf unserem Recyclingplatz in Dorum entstehen aus dem angelieferten Bauschutt drei Produkte: Rotsteinbruch 0–45 (aus Ziegelbruch), Betonrecycling 0–30 und 0–45 (aus Betonabbruch) und Gesiebter Boden 0–15 (aus Erdaushub). Über 10.000 Tonnen haben wir so bereits verarbeitet – Material, das Naturschotter in Einfahrten, Wegen und Fundamenten ersetzt.
Kapitel 3
Seit dem 1. August 2023 regelt die Ersatzbaustoffverordnung (EBV) als Teil der Mantelverordnung bundeseinheitlich, welche Qualitätsanforderungen Recycling-Baustoffe erfüllen müssen. Das frühere System der Z-Werte (Z 0, Z 1.1, Z 1.2, Z 2) wurde durch drei Materialklassen ersetzt: RC-1, RC-2 und RC-3. Die Klasse bestimmt, wo und unter welchen Bedingungen der RC-Baustoff eingebaut werden darf.
| Materialklasse | Schadstoffniveau | Einbaubedingungen | Typische Einsatzbereiche |
|---|---|---|---|
| RC-1 | Niedrigste Schadstoffwerte. Strengste Grenzwerte für Eluatwerte (Sulfat, Schwermetalle, PAK). | Offener Einbau, auch bei ungünstiger Grundwasserdeckschicht. Kaum Einbaurestriktionen. | Tragschichten unter Verkehrsflächen, Fundamente, Zuschlag für Recycling-Beton |
| RC-2 | Mittleres Schadstoffniveau. Höhere Eluatwerte als RC-1 bei bestimmten Parametern. | Einbau bei günstiger Grundwasserdeckschicht (>1 m Sickerstrecke). Anzeigepflicht ab 250 m³. | Straßenunterbau, Lärmschutzwälle, Verfüllungen |
| RC-3 | Höchste zulässige Schadstoffwerte. Obere Grenze für die Verwertung als RC-Baustoff. | Eingeschränkter Einbau, nur bei günstiger Grundwasserdeckschicht und mit wasserdichter Abdeckung. Anzeigepflicht ab 250 m³. | Verfüllung, Erdbau mit Abdichtung |
Vereinfachte Darstellung. Die vollständigen Materialwerte und Einbauweisen regeln Anlage 1 (Tabelle 1) und Anlage 2/3 der EBV.
Vor August 2023 galten in den meisten Bundesländern die Z-Werte der LAGA M20: Z 0 (uneingeschränkt), Z 1.1 und Z 1.2 (eingeschränkt) sowie Z 2 (Deponie). Die Ersatzbaustoffverordnung hat dieses System durch die bundeseinheitlichen Klassen RC-1, RC-2 und RC-3 ersetzt. Grob orientiert gilt: Z 0 entspricht etwa RC-1, Z 1.1 etwa RC-2 und Z 1.2 etwa RC-3 – aber die Grenzwerte sind nicht identisch, da die EBV zum Teil strengere, zum Teil andere Parameter prüft. Altuntersuchungen nach dem LAGA-System können in einer Übergangsphase übernommen werden – die Details regelt die zuständige Landesbehörde.
Für die Praxis bedeutet das: Je sauberer das Eingangsmaterial, desto wahrscheinlicher erreicht der RC-Baustoff die Klasse RC-1 – und desto mehr Einbaumöglichkeiten hat er. RC-1-Material darf praktisch überall eingebaut werden, auch in Wasserschutzgebieten (mit Einschränkungen). RC-3-Material dagegen unterliegt strengen Auflagen und ist nur für bestimmte Einbauweisen zugelassen. Das bedeutet: Ein Recyclingbetrieb, der konsequent auf sortenreines Eingangsmaterial achtet, produziert höherwertige und damit besser verkaufbare Endprodukte.
Die Materialklasse wird durch Laboruntersuchungen bestimmt: Feststoffgehalte (Schwermetalle, PAK, PCB) und Eluatwerte (Sulfat, Schwermetalle im Sickerwasser) werden gemessen und mit den Grenzwerten der Anlage 1 der EBV verglichen. Die Beprobung erfolgt im Rahmen der Güteüberwachung – dazu mehr in Kapitel 6.
Kapitel 4
Recycling-Baustoffe sind keine minderwertige Alternative – sie sind normgerechte Baustoffe, die Primärmaterial in vielen Anwendungen vollständig ersetzen können. Die Einsatzbereiche reichen vom Straßenunterbau bis zum Recycling-Beton.
Der mit Abstand größte Einsatzbereich: 35,8 Millionen Tonnen RC-Baustoffe wurden 2022 im Straßenbau verbaut – als Frostschutzschicht, Tragschicht und Planumsverbesserung. Betonrecycling 0–45 ist hier das Standardmaterial.
Für private Einfahrten, Hofflächen und Stellplätze eignen sich Rotsteinbruch und Betonrecycling ideal als Tragschicht unter Pflaster oder als geschotterte Oberfläche. Preisgünstiger als Naturschotter und genauso tragfähig.
18,4 Millionen Tonnen RC-Baustoffe wurden 2022 im Erdbau eingesetzt: als Verfüllmaterial für Baugruben, Leitungsgräben und Geländemodellierungen. Auch Lärmschutzwälle werden häufig mit RC-Material aufgebaut.
Unter Fundamenten und Bodenplatten dient RC-Material als Sauberkeitsschicht und Frostschutz. Hier ist RC-1-Qualität erforderlich. Betonrecycling 0–30 verdichtet besonders gut und bietet eine ebene, tragfähige Unterlage für Fundamente.
Die hochwertigste Verwertungsform: Aufbereiteter Betonbruch ersetzt Naturkies als Zuschlagstoff im Beton. Recycling-Beton nach DIN 1045 erfüllt die gleichen Festigkeitsklassen wie herkömmlicher Beton – bis zur Festigkeitsklasse C30/37 kann der Recyclinganteil bis zu 45 Prozent betragen.
Rotsteinbruch 0–45: Wege, Einfahrten, Stellflächen, Reitplätze, landwirtschaftliche Zufahrten. Optisch warm (rotbraun), gute Wasseraufnahme, verdichtet sich mit der Zeit.
Betonrecycling 0–30: Tragschicht unter Pflaster, Sauberkeitsschicht unter Fundamenten. Feinere Körnung, exzellente Verdichtung, hohe Tragfähigkeit.
Betonrecycling 0–45: Frostschutzschicht im Straßenbau, Tragschicht für Einfahrten, Parkplätze und Gewerbehöfe. Grobkörniger, höchste Lastabtragung.
Kapitel 5
Bauschutt-Recycling ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll – es ist ein konkreter Beitrag zum Klimaschutz und zur Ressourcenschonung. Jede Tonne RC-Baustoff, die Naturschotter ersetzt, hat dreifachen Umweltnutzen: Sie spart CO², schont natürliche Lagerstätten und reduziert den Bedarf an Deponieraum.
Pro Tonne recyceltem Bauschutt werden rund 25 kg CO²-Äquivalente eingespart – gegenüber der Neuproduktion von Naturschotter. Hochgerechnet auf die 75 Millionen Tonnen RC-Baustoffe pro Jahr entspricht das fast zwei Millionen Tonnen CO² weniger. Die Einsparung entsteht hauptsächlich durch den Wegfall von Abbau, Sprengung und Transport natürlicher Gesteine.
Deutschland verbraucht jährlich über 560 Millionen Tonnen Gesteinskörnungen – Sand, Kies, Schotter. Das sind endliche Ressourcen, deren Abbau Landschaften zerstört und Grundwasser gefährdet. RC-Baustoffe ersetzen aktuell 13,3 Prozent dieses Bedarfs – Tendenz steigend. Jede Tonne Recyclingmaterial ist eine Tonne weniger, die aus einem Kieswerk kommt.
Deponien in Deutschland werden knapp – gerade für mineralische Abfälle. Bauschutt-Recycling hält fast 95 Prozent des Materials aus der Deponie. Ohne Recycling wären allein für den Bauschutt jährlich 65 Millionen Tonnen zusätzliche Deponiekapazität nötig – eine Menge, die kein Bundesland bereitstellen könnte.
Preis: Rotsteinbruch und Betonrecycling ab 15 €/t – Naturschotter 25–40 €/t. Ersparnis: 40–60 Prozent.
CO²: Recyclingmaterial: ca. 5–10 kg CO²/t (Brechen & Sieben). Naturschotter: ca. 30–35 kg CO²/t (Abbau, Sprengung, Transport).
Transportwege: RC-Material stammt aus der Region (kurze Wege). Naturschotter wird oft über 50–100 km transportiert.
Tragfähigkeit: Bei korrekter Körnung und Verdichtung gleichwertig. Betonrecycling erreicht vergleichbare CBR-Werte wie Naturkiestragschichten.
Kapitel 6
Recycling-Baustoffe unterliegen strengen Qualitätsanforderungen. Die Ersatzbaustoffverordnung schreibt ein dreistufiges Überwachungssystem vor, das sicherstellt, dass die Materialwerte dauerhaft eingehalten werden:
Bevor ein Recyclingbetrieb RC-Baustoffe in den Verkehr bringen darf, muss er einen Eignungsnachweis erbringen: Eine akkreditierte Untersuchungsstelle analysiert Proben auf alle Parameter der Anlage 1 (Schwermetalle, PAK, Sulfat, pH-Wert etc.). Die Werte müssen unter den Grenzwerten der angestrebten Materialklasse liegen.
Der Betreiber der Aufbereitungsanlage führt regelmäßig eigene Kontrollen durch: visuelle Kontrolle jeder Charge, Dokumentation von Herkunft und Zusammensetzung, regelmäßige Beprobung und Analyse. Die WPK wird dokumentiert und auf Verlangen der Behörde vorgelegt.
Zusätzlich prüft eine unabhängige Überwachungsstelle in quartalmäßigem Turnus, ob die Materialwerte eingehalten werden. Die Überwachungsstelle entnimmt eigenständig Proben und lässt sie im Labor analysieren. Bei Grenzwertüberschreitung wird die Charge gesperrt und nachuntersucht.
Wenn Sie güteüberwachtes RC-Material von einem zertifizierten Recyclingbetrieb beziehen, bekommen Sie einen genormten Baustoff mit dokumentierter Qualität. Auf dem Lieferschein ist die Materialklasse (RC-1, RC-2 oder RC-3) angegeben. Bei Einbaumengen ab 250 m³ müssen Sie als Verwender eine Voranzeige bei der Behörde einreichen – der Lieferschein dient als Qualitätsnachweis. Für kleinere Mengen (private Einfahrt, Gartenweg) ist keine Anzeige erforderlich.
Kapitel 7
Am 1. August 2023 ist die Mantelverordnung in Kraft getreten – ein Paket aus drei Verordnungen, das die Verwertung mineralischer Abfälle bundeseinheitlich regelt. Für das Bauschutt-Recycling ist vor allem die Ersatzbaustoffverordnung (EBV) relevant:
Kernstück der Mantelverordnung. Regelt die Herstellung, Güteüberwachung und den Einbau von mineralischen Ersatzbaustoffen in technischen Bauwerken. Definiert die Materialklassen RC-1 bis RC-3, die Grenzwerte für Schadstoffe und die zulässigen Einbauweisen je nach Grundwassersituation. Ersetzt die bisherigen Landesregelungen (LAGA M20, Z-Werte).
Ebenfalls Teil der Mantelverordnung. Regelt die Verwertung von Bodenmaterial und die Anforderungen an das Auf- oder Einbringen von Material auf oder in den Boden. Definiert die Materialklassen BM-0 bis BM-F3 für Bodenmaterial.
Dritter Teil der Mantelverordnung. Regelt die Anforderungen an Deponien, auf denen mineralische Abfälle beseitigt oder im Deponiebau verwertet werden. Relevant für RC-Material, das die Grenzwerte der EBV überschreitet und nicht verwertet werden kann.
Neu: Ab einer Einbaumenge von 250 m³ pro Baumaßnahme muss der Verwender vier Wochen vor Einbaubeginn eine schriftliche Voranzeige bei der zuständigen Behörde einreichen. Nach Abschluss folgt eine Abschlussanzeige mit den tatsächlich eingebauten Mengen und Materialklassen. Für kleinere Mengen (typisch: private Bauprojekte) entfällt die Anzeigepflicht.
Die Baubranche beurteilt die Mantelverordnung zwispältig. Einerseits schafft sie erstmals bundeseinheitliche Regeln – bisher galten in jedem Bundesland andere Grenzwerte. Andererseits bemängeln Verbände nicht harmonisierte Grenzwerte zu angrenzenden Rechtsbereichen, zusätzliche Bürokratie durch Anzeige- und Dokumentationspflichten und höhere Analysekosten. Die Initiative Kreislaufwirtschaft Bau warnt, dass die Deponierung dadurch zunehmen und die Verwertungsquote sinken könnte. Ob das eintritt, wird sich im nächsten Monitoring-Bericht (Daten 2024) zeigen – es wird der erste Bericht auf Basis der neuen Verordnung sein.
Kapitel 8
Auf unserem Recyclingplatz im Speckenfeld in Dorum betreiben wir den vollständigen Bauschutt-Kreislauf: vom Abbruch über die Aufbereitung bis zum Verkauf des fertigen Recyclingmaterials. Kunden können sowohl Bauschutt anliefern als auch fertiges Recyclingmaterial kaufen – alles an einem Standort.
Das Herzstück ist unser GREMAC e2+ Backenbrecher – ein mobiler, dieselhydraulischer Backenbrecher mit einer Aufgabeweite von 600 × 350 mm und einer stufenlos einstellbaren Brechspaltweite. Dazu kommt eine Rüttelsiebanlage für die Klassierung in definierte Korngrößen und ein Overbandmagnet für die Metallabtrennung. Die Anlage verarbeitet bis zu 30 Tonnen Material pro Stunde.
Wir nehmen an: reinen Bauschutt (Beton, Ziegel, Klinker, Dachziegel), sauberen Erdaushub und Altholz A2/A3. Wir verkaufen: Rotsteinbruch 0–45, Betonrecycling 0–30 und 0–45, Gesiebten Boden 0–15 – lose ab Platz oder mit Lieferung. Preise ab 15 €/t. Bitte vorher kurz anrufen (04742 – 80 47), damit wir den Stellplatz vorbereiten.
Besonders effizient ist unser Kreislauf bei eigenen Abbruchprojekten: Beim Industrieabbruch oder Rückbau gewinnen wir Beton und Ziegelbruch, transportieren ihn auf unseren Recyclingplatz, verarbeiten ihn zu RC-Material – und setzen es in unseren nächsten Tiefbau- oder Pflasterprojekten als Tragschicht ein. So spart der Kunde doppelt: günstigere Entsorgung des Abbruchmaterials und günstigeres Tragschichtmaterial für den Neubau.
Unbescheiden Erdbau & Recycling GmbH
Im Speckenfeld 10a
27639 Wurster Nordseeküste (Dorum)
Tel. 04742 – 80 47
Mo–Fr 8:30–13:00 Uhr
Über 10.000 Tonnen verarbeitet – ab 15 €/t ›
Gebrochener Beton als Tragschichtmaterial ›
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Kapitel 9
Bauschutt-Recycling hat sich in den letzten 30 Jahren von einer Nische zum Industriestandard entwickelt. Doch die nächste Stufe steht bevor: hochwertiges Recycling, das nicht nur Tragschichtmaterial produziert, sondern vollwertige Baustoffe – bis hin zu Recycling-Beton für tragende Bauteile.
R-Beton enthält aufbereiteten Betonbruch als teilweisen Ersatz für Naturkies. Nach DIN 1045 kann rezyklierte Gesteinskörnung bis zu 45 Prozent des groben Zuschlags ersetzen – bei Festigkeitsklassen bis C30/37 ohne Einschränkung der Tragfähigkeit. In der Schweiz werden bereits ganze Wohngebäude aus Recycling-Beton errichtet. In Deutschland hemmen bislang höhere Analysekosten und Vorbehalte der Bauherren die Verbreitung – das ändert sich aber durch steigende Rohstoffpreise und politischen Druck.
Städte als Rohstofflager der Zukunft: In deutschen Gebäuden sind Milliarden Tonnen Beton, Stahl, Ziegel und Glas verbaut. Wenn diese Gebäude zurückgebaut werden, wird das Material zur Ressource. Voraussetzung: selektiver Rückbau statt unkontrolliertem Abriss – nur so bleibt das Material sortenrein und recycelfähig. Digitale Gebäudepässe sollen künftig dokumentieren, welche Materialien wo verbaut sind – ein Materialkataster für die Stadt.
Start-ups entwickeln kamera- und KI-basierte Systeme, die Bauschutt in Echtzeit analysieren und automatisch sortieren. Optische Sensoren erkennen Materialarten (Beton, Ziegel, Gips, Holz) und Störstoffe innerhalb von Millisekunden. Das ermöglicht eine präzisere Trennung und höhere Reinheit der Recycling-Fraktionen – was wiederum höherwertige Endprodukte ergibt.
Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) fordert eine Verdopplung der Substitutionsquote von Primärgesteinskörnungen durch RC-Baustoffe. Die Branche hält das für ambitioniert – bisher liegt die Quote bei 13,3 Prozent, die Zielmarke läge bei etwa 27 Prozent. Ob das realistisch ist, hängt davon ab, ob öffentliche Auftraggeber bei Ausschreibungen konsequent RC-Baustoffe zulassen und nachfragen.
Auch im Kleinen zählt jede Entscheidung: Wenn Sie für Ihre Einfahrt, Ihren Gartenweg oder Ihr Fundament Recyclingmaterial statt Naturschotter wählen, unterstützen Sie die Kreislaufwirtschaft ganz konkret. Und sparen dabei 40 bis 60 Prozent der Materialkosten. Fragen Sie bei Ihrem nächsten Projekt gezielt nach RC-Material – oder kommen Sie direkt zu uns nach Dorum.
Kapitel 10
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